Irgendwie ging die Sonne nicht unter

Eindrücke von der EBC1, der Ersten Europäischen Bi–Konferenz am 22. bis 24. Juni 2001 in Rotterdam

Von Hartmut Friedrichs

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Trotz ungewisser Wettervorhersagen — die Sonne scheint doch, sie fällt durch die Kirchenfenster der Kirche der Remonstratenser — Rebellen, die gegenüber der protestantischen Staatskirche die Freiheit und Verantwortung des Menschen betonten — das sanfte Licht, mittelbraunes Holz, grüne Polster erinnern mich an das britische Parlament, gelassen selbst bestimmt gibt mir die Grundstimmung für das Wochenende.

Eine Fanfare von der Empore eröffnet die erste europäische Bi–Konferenz unter dem Motto "Same preferences, different lifestyles" im Rahmen der "Rotterdam Roze", des Gay–Festivals in der Kulturhauptstadt Europas 2001.

Der Vortrag von Heleen Rutgers, Vorsitzende der EBC1, verdeutlichte uns, was die Vielfalt unterschiedlicher Lebensweisen der Bi Menschen für unser Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit bedeuten kann. Nur die, die für die Außenwelt sichtbar gleichzeitig Frauen und Männer lieben, werden als bisexuell erkannt — (vielleicht noch mit der zusätzlichen Klassifikation als polyamor oder unbeständig), die anderen werden automatisch als gay oder hetero eingeordnet.

Es folgen die Vorstellung des von Jolie designten Bi–Logos, über das schon in der BiNe–Mitgliederversammlung in Dortmund vom 24.–26.05.2001 diskutiert worden war. Das Logo verkörpert die eine universelle Sexualität in einem rosa, hellblau und lila/violetten "MöBIus"–Band — einem endlosen in sich verschlungenem Band mit nur einer einzigen Oberfläche.

Danach Reden der zuständigen Stadträtin und der Veranstalter der "Rotterdam Roze", und nach dem zweiten von ihnen gestifteten Glas roten Sekt konnte die Konferenz nur noch gut werden.

Bei den Workshops an den drei Tagen gab es mehr wissenschaftlich oder organisatorisch bestimmte Angebote, als wir es von den deutschen Bi-Treffen gewohnt sind, aber auch das breite Spektrum von mehr persönlich nutzbaren Workshops von Diskussion über Selbsterfahrung bis zur Aids-Prävention.

Außerdem fanden an allen Tagen Plenumsdiskussionen zu Fragen wie Bi–Organisation in Aids-Kampagnen statt.

Einige Blitzlichter aus den Workshops:

Als wir uns Samstag Abend um 23 Uhr putzten für die "Erotisch sensueel biseksueel" Party ging der Blick über das Rotterdamer Häusermeer im gelben Abendrot der 23–Uhr–Mitternachtssonne — der längste Tag des Jahres vor dem Dunkel der Nacht, das deckt das Dunkle, ziemlich keß (cool hot) die Party in der Disco "Calypso", über den Kanal hinweg das Goethe–Institut von Rotterdam, mit Neonbeleuchtung in den Regenbogenfarben, House heißt die music wohl — beim Zubettgehen hatte uns die Sonne wieder.

An der Organisation der Konferenz fiel auf, daß sie nicht auffiel. Irgendwie hat alles (oder fast wirklich alles) wie von selbst geklappt, erholsam. Was im Hintergrund dazu an Anstrengungen nötig war, konnte man wie immer nur ahnen.

Die Teilnehmer kamen aus etwa einem Dutzend Länder, vor allem Nord–, West– und Mitteleuropas, und aus den USA. Unter sechs bis sieben Deutschen waren wir zwei die einzigen BiNe–Mitglieder.

Eine kleine Ausstellung von Kunstwerken, die vor und während der Konferenz entstanden waren — von zarten Grafiken bis zur abstrakten Plastik — wurde anschließend versteigert zugunsten des Fonds von Amnesty International, aus Anlaß der Veröffentlichung des Reports "Crimes of Hate, Conspiracy of Silence" am 22. Juni in Buenos Aires über Folter und Mißhandlung von Lesben, Schwulen, Bis und Transgender Personen.

Die irische Gruppe, die durch ihre Fröhlichkeit überall das Auge festhielt, hat es übernommen, die nächste Konferenz auszurichten. Wir haben es in der Hand, sie dabei in jeder Form zu unterstützen, auch aus der Ferne, etwa mit Hilfe des Internet.

Ein Wochenende der Begegnungen ist zu Ende, wir finden uns wieder zusammen zur

EBC2, zur Zweiten Europäischen Bi–Konferenz im Juni 2003 in Dublin.

Euer Hartmut





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