Eros und Spiritualität

Francisco Garcia Klänhammer
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Beim Bundestreffen 2000 hielt ich einen Workshop zum Thema Eros und Spirit ab, der sehr gut besucht wurde. Einige liebe Leute von der BiNe baten mich, das, was dort gesagt wurde, aufzuschreiben.

Was haben Eros und Spiritualität miteinander zu tun?

Für viele Menschen scheinen diese beiden Aspekte des menschlichen Seins Widersprüche zu bergen, was aber nicht so ist. Eros ist eine der Formen der Liebe. Im Griechischen unterschied man die "Phileios", die brüderliche oder freundschaftliche, familiäre Liebe, den Eros, der Sexualität enthält, aber auch alles, was mit erotischer Ausstrahlung, Begehren und Sinnlichkeit zu tun hat, und die Agape, die verzückte, göttliche Liebe. Alle drei Formen haben fließende Grenzen und enthalten Teile von einander, oder wie Heraklit sagte: Pan to rei: Alles fließt.

Eros hängt mit der Liebesfähigkeit zusammen, dem Zulassen des Kribbelns und dem Ausleben der Sinnlichkeit. Er hängt damit auch mit Offenheit sich selbst und anderen gegenüber zusammen und auch mit dem Gewähren lassen von spielerischen Elementen und Momenten. Viele Menschen haben Probleme, Eros und Spiritualität auf die Reihe zu bringen, da die herkömmlichen Religionen, oder das, was wir von ihnen kennen, antierotisch ist.

Wie kommt das? Nun, die Essenz, der allererste Ursprung aller Spiritualität ist Liebe. Dogmatismus jedoch, geboren aus Selbstverleugnung, Ignoranz, Borniertheit, Dummheit und Angst, aber auch aus dem Machtstreben Einzelner zur Machtausübung ÜBER andere, ist der Tod jeder Spiritualität. Der Geist will wehen, wo er will, ebenso gehört der Eros zu den Grundbedürfnissen und grundsätzlichen Eigenschaften des Menschen. Da aber Dogmatismus die menschlichen Bedürfnisse verleugnet und umwandelt, um sie in ein enges Korsett zu schnüren, das einigen Wenigen die Macht über Viele sichert, ersticken daran sowohl Eros als auch Spirit.

Dabei gibt es gewisse Geheimnisse, die nur zu gern verschwiegen werden. Vieles fiel unter den Tisch im Laufe der Religionsgeschichte, wurde verstümmelt und entstellt. Schon in der Bibel gibt es verschlüsselte Sachen, die dem Uneingeweihten verborgen sind, aber dennoch auf die Verwirklichung von Eros UND Spirit hindeuten. Jesus selbst wurde "Rabbi" genannt, ein Titel, den er nur führen durfte, wenn er ein theologisches Studium absolviert hatte UND verheiratet war.

Wer seinen Spirit, der ja Teil der Dreieinigkeit Body – Soul – Spirit ist, verwirklichen will und erweitern will, sozusagen den göttlichen Funken in sich nähren und läutern, der darf auch sein ureigenstes Bedürfnis, den Eros, nicht außen vor lassen. Es geht dabei nicht um Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sekte, Religion, Tradition oder dergleichen, sondern um die Verwirklichung der Persönlichkeit, das Leben und Ausleben, Liebe und Verantwortung.

Das Göttliche, egal, wie man/frau/transgender/hermaphrodit es nennt, egal ob Christus, Buddha, Tao, Mutter Maria, Große Göttin, Gehörnter Gott der Wälder oder Manitou, liebt uns, so wie wir sind. Wir brauchen keine Angst vor einem "Donnerkeil" von "oben" zu haben, denn das Göttliche belebt alles, das Göttliche ist IN allem, wenn auch oft verborgen. Egal ob in einer Pflanze, in einer Teekanne oder in Hund, Katze, Baum, Mitmenschen, überall ist der göttliche Funke verborgen. Das Göttliche ist in uns und außerhalb von uns. Dogmatismus ist der Tod jeder Spiritualität, aber die Bejahung der Liebe des Göttlichen, auch in uns selbst, und auch in unserem Eros befreit uns und nährt den göttlichen Funken, auf daß es mehr Liebe gibt.

Die Gnostiker waren sehr undogmatisch, und auch in anderen Traditionen, z. B. dem tantrischen Buddhismus und dem tantrischen Hinduismus kann man die Ausgleichung von Eros und Spirit sehen. Auch in anderen alten Religionen oder neuen Gruppen kann man dies finden. In den Eleusinischen Mysterien, der Religion des Dionysos, trugen die männlichen Priester Frauengewänder, und das Sexuelle gehörte zum Ausdruck der Spiritualität.

Auf ihren Zusammenkünften, die "orgia" genannt wurden, was einfach religiöse Zusammenkunft bedeutete, liebten sich Mänaden (die weiblichen Kultmitglieder) untereinander, taten es aber auch mit den Korybanten (den männlichen Kultmitgliedern), die wiederum auch einander nicht abgeneigt waren. Man könnte sagen, daß wirkliche Religion auch immer orgiastisch sein muß, um sich zu entwickeln und den Kontakt mit dem Göttlichen zu ermöglichen. Was ist denn der Orgasmus? Er ist eine Annäherung an das Göttliche.

Nun ja, wird manche/r sagen: Wozu denn Spiritualität?

Wer keinen spirituellen Halt hat, keine sogenannte höhere Rückversicherung, landet oft bei "Götzen" im Sinne von nutzlosen, energiezehrenden Dingen und Aktivitäten, die einen nicht wirklich befriedigen. Irgendwo bleibt dann doch die Leere. So rennen viele dem Fußball hinterher, sind karrieregeil und ruinieren sich Freundschaften, Gesundheit, Seele und werden zuletzt völlig gaga und verbittert. Noch ein größerer Wagen, noch mehr Luxus, sich abmühen, bis der Rücken, das Herz oder andere Teile des Körpers streiken, und dann steht der Schnitter vor der Tür und fragt einen "UND WOFÜR HAST DU GELEBT?" Man schaut zurück und stellt fest, daß man dem Leben nachgejagt hat, anstatt es zu leben, daß man auf Dogmen gehört hat, statt auf sein Herz, daß man vor sich selbst und dem Göttlichen weggelaufen ist, anstatt sich zu verwirklichen. Oder auf Neudeutsch: "Voll kraß daneben!" "SCHADE!"

Doch wie verwirkliche ich Eros und Spirit?

Es ist nicht die Gier, die es zu verwirklichen gilt, wie man sie in diversen Pornos sieht. "Hallo, mein Schatz!" "Bück Dich!" Es geht darum, fließen zu lassen. Alles fließt. Laß kommen, laß gehen, laß fließen. Versuche das Göttliche in Deinen Mitmenschen zu sehen, ihn oder sie ernst zu nehmen mit ihren Sorgen und Bedürfnissen. Du mußt nichts beweisen. Du mußt Dir nur ab und zu eine Auszeit nehmen und Dich entspannt hinsetzen, alles abfallen lassen, dich öffnen für Deine Bedürfnisse und das Göttliche. Gib Liebe und sei offen für das Ergebnis. Versuche nichts zu erzwingen. Was Du gibst, kommt mehrfach zurück. Was Du säst, erntest Du.

Meditiere mehrmals am Tag über diesen drei Aussagen, die nun kommen, sei bereit, loszulassen und zu empfangen:

Ich öffne mich für alles Gute, was das Universum mir zu bieten hat.

Ich nehme teil am Überfluß.

Mir steht nur das Beste zu.

Wenn das Göttliche den Eros, die Sinnlichkeit, die Lust und die Erotik erfunden hat, wir sind wir, daß wir es ablehnen wollten? Egal, ob Du jemand bist, der oft oder selten betet, meditiert oder räuchert, oder einfach in die Stille geht, um dem Göttlichen nahe zu sein und egal, ob du an alte oder neuzeitliche Götter, aufgestiegene Meister oder andere Manifestationen des Göttlichen glaubst: Das Göttliche liebt dich. Du darfst dich selbst lieben, und Du darfst all die guten Dinge genießen, die das Göttliche Dir schenkt. Nicht jammern, sondern offen sein und JA sagen zum Leben.

Bete, singe, tanze, räuchere, meditiere, lache, singe und genieß das, was Männer und Frauen Dir schenken möchten und Du ihnen schenken darfst.

Sag ja zu Dir.

Sag ja zum Eros

Sag ja zu Spirit

Und das Göttliche wird mit Dir sein.

Ich habe hier einige Sachen hinzugefügt, die mir noch eingefallen sind. Wichtig war für mich während des Workshops auch, mitzuteilen, daß es auch um den Ausgleich von männlich und weiblich ging. Daher sangen wir auch und meditierten. Wir tanzten und freuten uns, riefen das Weibliche an, das in verschiedenen Traditionen als Göttin bekannt war, aber auch das Männliche, welcher der Geliebte der Göttin ist. Das klingt jetzt seltsam, aber ich werde es kurz erläutern: Es geht mir nicht darum, hier heidnisch sektiererische Umtriebe zu starten, sondern ich betrachte das Göttliche, das jeder anders nennt, als männlich und weiblich, wie Yin und Yang, wobei jeder Mann etwas Frauliches und jede Frau etwas Männliches hat. Dieses ist auch so im spirituellen. Da das Spirituelle, bzw. der Spirit sich auch im Unbewußten jedes Einzelnen manifestiert, haben wir den Kontakt zum Unbewußten damit aufgebaut. Egal, welcher Religion oder Tradition jemand angehört: Wichtig ist die Bejahung des Lebens und der Liebe.



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